Sa 10.10.
19:30
Im Anschluss Eröffnung der Drei-Kanal-Installation Finding Norma im Foyer.
Zu sehen täglich bis zum 31.10. zu den Öfffnungszeiten des Kinos.
Kino
Arsenal
zu den Ticketszu dem KalenderEinführung und Gespräch: Lívia Perez
Nach dem Auftakt der diesjährigen feminist elsewheres Film- und Workshopreihe im Mai geht es weiter mit einem Programm zur Filmemacherin, Videokünstlerin, Kritikerin und Essayistin Norma Bahia Pontes (1941-2010) deren einzigartiger Werdegang sich über Brasilien, Frankreich und die Vereinigten Staaten erstreckte. Als Teil der brasilianischen „Cinema Novo“-Bewegung, die das Kino als Mittel der sozialen und politischen conscientização verstand, drehte Pontes Ende der 1960er Jahre antikoloniale Filme in Paris, wo sie bei Jean Rouch studierte. Während ihres Exils in New York in den 1970er Jahren, zur Zeit der brasilianischen Militärdiktatur, erweiterte sie diese politisch engagierte Praxis zum feministischen Videoaktivismus und arbeitete dabei mit ihrer damaligen Partnerin Rita Moreira zusammen. Pontes bewegte sich über Sprachen, Technologien und politische Kontexte hinweg und hinterließ ein transnationales Werk, dessen verstreute Spuren die Geschichte der brasilianischen, feministischen und queeren Bewegtbilder bis heute bereichern. Mit ihrem Videofilm LESBIAN MOTHERS (1972) wurde sie 1973 von Claudia von Alemann und Helke Sander zum Ersten Internationalen Frauenfilmseminar nach Berlin eingeladen, konnte jedoch aufgrund von Visaproblemen nicht anreisen.
Die Medienwissenschaftlerin, Kuratorin, Filmemacherin und Künstlerin Lívia Perez führt in das Kurzfilmprogramm am 10.10. ein. Es folgt ein Gespräch mit Perez über ihre künstlerische Forschung rund um das Leben und fragmentarische Archiv von Pontes. Ihre Drei-Kanal-Videoinstallation FINDING NORMA (Lívia Perez, USA 2023) wird bis Ende Oktober im Foyer des Arsenal zu sehen sein. Am 11.10. leitet Perez einen Workshop im feminist elsewheres-Projektraum (12–16 Uhr), der einen Einblick in ihre Praxis gibt, die das Archiv als Ort für Begegnungen über Bilder und Generationen hinweg untersucht.
LES ANTILLAIS (F 1967) entsteht in Paris und folgt fünf antillischen Migranten. Im Mittelpunkt stehen dabei ihr Verständnis von Kolonialismus und Fragen nach der Entstehung eines antikolonialen und nationalen Bewusstseins. CHANTS BRÉSILIENS (F 1967) ist ein Porträt des Musikers Edu Lobo und Brasiliens politisch engagierter Liederbewegung. Der Film verbindet seine Musik mit den politischen und sozialen Realitäten des Landes unter der Militärdiktatur. Mit BAHIA CAMARÁ (BR 1968) wird die Auseinandersetzung mit Formen des Widerstands fortgesetzt. In Bahia gedreht, beschäftigt sich der Film mit afrobrasilianischen Praktiken wie Capoeira, Maculelê und Candomblé und zeichnet dabei Geschichten von Verfolgung, Überleben und Wandel nach. SHE HAS A BEARD (Norma Bahia Pontes, Rita Moreira, USA 1975), aus der Videoreihe Living in New York City, folgt der bärtigen Künstlerin Forest Hope, die Frauen auf der Straße zu weiblicher Gesichtsbehaarung interviewt und damit Standards und Politiken von Schönheit und Weiblichkeit befragt.
Mehr Informationen zum Programm und dem kostenlosen Workshop finden sich hier: www.feminist-elsewheres.de.
Das Programm wird gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds.
Filme:
Les Antillais Norma Bahia Pontes F 1967 16 mm engl. Synchronfassung 16 Min.
Bahia Camará Norma Bahia Pontes Brasilien 1968 DCP OmeU 16 Min.
Chants Brésiliens Norma Bahia Pontes F 1967 DCP OmeU 20 Min.
She has a Beard Norma Bahia Pontes, Rita Moreira USA 1975 Digital file engl. OF 26 Min.
Gefördert durch:

